Die Volksschauspiele in Telfs

Tiroler Volksschauspiele

Die 38. Spielzeit der Tiroler Volksschauspiele
vom 25. Juli bis 31. August 2018

Sie haben es vielleicht schon gesehen oder davon gelesen: Die Südtiroler-Siedlungen in ganz Tirol werden sukzessive abgerissen und die Areale neu bebaut. Das sind die wuchtigen Häuser, die ausschauen wie Bauernhäuser, aber reine Wohnhäuser sind und zu größeren oder kleineren Siedlungen geballt wie Kuhherden im ganzen Land verteilt stehen.
100 Jahre ist es her, dass die Brennergrenze das historische Tirol in ein österreichisches und ein italienisches Tirol teilte. Der daraus entstandene ethnische Konflikt ist bis in die Sechziger Jahre mit ihren Bombenanschlägen und Morden auf beiden Seiten eskaliert.
80 Jahre ist es her, dass man die Südtiroler vor die Entscheidung stellte, Italiener zu werden oder auszuwandern – die sogenannte „Option“. Für diese Auswanderer wurden die Südtiroler-Siedlungen gebaut. Sie waren nicht willkommen, die Tiroler, denen die Muttersprache teurer war als der Heimatboden und bis heute sorgt dieser Teil unserer jüngsten Landesgeschichte für politische Diskussionen, die gerne genauso leidenschaftlich wie ohne Sachkenntnis geführt werden

Die Tiroler Volksschauspiele sind weit über die Grenzen Tirols hinaus für ihre ungewöhnlichen Locations berühmt und FELIX MITTERER ist der deutschsprachige Theaterautor, der die historische Wahrheit sogar über den theatralischen Effekt stellt.
Was für ein Zusammentreffen von Bautätigkeit, Jahrtagen und Künstlern! Da sehen sich die Tiroler Volksschauspiele in Telfs natürlich in der Pflicht, die Geschehnisse von damals, auch als Beitrag zu aktuellen Diskussionen, theatralisch nachzuzeichnen.
Dank der Hilfe des Bauträgers Neue Heimat, der sich seiner kulturellen öffentlichen Verantwortung sehr bewusst ist, der tatkräftigen Unterstützung durch die Marktgemeinde Telfs und die Förderungen von Land Tirol, Bundeskanzleramt Österreich und unseren Partnern aus der Privatwirtschaft wird es uns möglich sein Ihnen VERKAUFTE HEIMAT – DAS GEDÄCHTNIS DER HÄUSER, dieses größte aller Projekte, das die Volksschauspiele je geschultert haben, Ende Juni in der Telfer Südtiroler-Siedlung zu präsentieren.

"Verkaufte Heimat"
Das Gedächtnis der Häuser

Vor 100 Jahren, nach dem 1. Weltkrieg, kam Südtirol zu Italien. Im Faschismus wurden Abertausende von Italienern ins „Alto Adige“ geschickt, die Bozner Industriezone errichtet, Wohnungen nur für die Zuzügler erbaut sowie die deutsche Sprache verboten.

Auf Grund des Hitler-Mussolini-Abkommens mussten sich die Südtiroler 1939 entscheiden, ob sie bleiben und sich als italienische Staatsbürger bekennen möchten, oder ob sie ins „Deutsche Reich“ auswandern und deutsche Staatsbürger werden wollen. Hitler und Mussolini begannen sofort, mit ihrer Propaganda-Maschinerie auf die Südtiroler einzutrommeln.

Abstimmen durften nur die Familienväter. Die einen wollten gehen, die anderen bleiben. Gute Nachbarschaften hatten ein Ende, die Dableiber galten als „walsche Verräter“, die Geher als „Heimatverräter“.

Ende 1939 hatten sich 86% der Südtiroler fürs Gehen entschieden.

1940 begann man, in mehreren Tiroler Gemeinden Südtiroler-Siedlungen zu bauen, so auch in Telfs. Die Auswanderer kamen, die jungen Männer wurden bereits am Bahnhof Innsbruck zum Kriegsdienst einberufen. Die Familien bezogen die für sie gebauten Wohnsiedlungen. Hier hörte der Konflikt nicht auf, denn die Häuser waren für damalige Begriffe sehr luxuriös, hatten Wasser, Toiletten und Bäder in den Wohnungen. Die Einheimischen waren empört und ließen die Südtiroler das auch spüren.

1989, zum 50-Jahre-Gedenken, wurde über die Option unter dem Titel „Verkaufte Heimat“ ein Zweiteiler im Fernsehen gezeigt; ich durfte die Bücher schreiben, Karin Brandauer führte Regie.

Nach diesen Drehbüchern schrieb ich nun für 2019 zum 80-Jahre-Gedenken an die Option ein Theaterstück für die Tiroler Volksschauspiele. Aufführungsort ist die Telfer Südtiroler-Siedlung, die gerade von der „Neuen Heimat“ etappenweise abgebrochen und neu erbaut wird. Eine der ausgewanderten Familien zieht nun (was im Drehbuch nicht vorkam) in die Siedlung ein. Die Idee zu diesem Großprojekt hatte Markus Völlenklee, die „Neue Heimat“ unterstützt uns dabei tatkräftig. Klaus Rohrmoser führt Regie.

Wir erzählen die Geschichte eines kleinen Volkes, das von der Politik unterdrückt und manipuliert wurde, bis es nicht mehr wusste, wie ihm geschah.

Das Rahmenprogramm 2019 besticht auch heuer wieder durch ein breites Angebot:


Tiroler Volksschauspiele Telfs
Gemeindeamt Telfs
Untermarkt 5 · 1. Stock · 6410 Telfs
Telefon: 0 52 62 / 62 014 · Fax: 0 52 62 / 69 61 - 11 99
tiroler-volksschauspiele@telfs.com
www.volksschauspiele.at